WER FÜRCHTET SICH VORM SCHWARZEN MANN

Eine private Kohlenhandlung im Ostberliner Stadtteil Prenzlauer Berg im Winter 1988/89. Die resolute Chefin führt mit Witz und Verstand das Regime und genießt den Respekt ihrer sieben männlichen Angestellten. Nach außen hin allesamt harte Kerle, offenbaren sie in den Schilderungen ihrer beruflichen und privaten Situation, abseits der schweren körperlichen Arbeit, auch die eigene Verletzlichkeit.

Der Sozialstudie von Helke Misselwitz gelingt es durch behutsames Fragen, dass die Protagonisten sich bereitwillig „ins Herz blicken“ lassen. Damit wirkt der Film zuweilen wie die Utopie einer solidarischen Gemeinschaft am sozialen Rand des sozialistischen Arbeiterstaats. Der Blick auf ihn „von unten“ rührt wiederholt an Tabus: Mauerbau und Republikflucht, Kindesmissbrauch und Suizid sind ebenso Gesprächsthemen wie Haftstrafen und Alkoholismus.

Misselwitz’ Dokumentation ist eine nahbare Sozialstudie, die entgegen vieler DEFA-Produktionen auf eine ideologische Heroisierung der Arbeiter verzichtet und stattdessen ihren harten Arbeitsalltag mit großer Empathie beobachtet.

Noch im Oktober 1989 wurde Wer fürchtet sich vorm schwarzen Mann beim Nationalen Festival des Dokumentar- und Kurzfilms Neubrandenburg uraufgeführt und erschien im darauffolgenden Frühjahr in den Kinos.

 

Vorfilm

Helga Paris – Fotografin

(Dokumentarfilm-Triptychon, Deutschland, 2019, Regie: Helke Misselwitz, 31 Minuten)

 

FILMGESPRÄCH

Im Anschluss gibt es ein Gespräch mit Regisseurin Helke Misselwitz, moderiert von Annekatrin Hendel.

Bildstills (oben): ©DEFA_Stiftung_Heiko_Koinzer

Porträtfoto (unten): ©TONY VAH

Altersfreigabe: FSK ab 12 freigegeben

Credits

DDR, 1989

Länge: 52 Minuten

Regie: Helke Misselwitz

Drehbuch: Helke Misselwitz, Thomas Plenert

Kamera: Thomas Plenert

Montage: Gudrun Plenert (geb. Steinbrück)

Fassung: Deutsch (UT Englisch)