Wir freuen uns sehr, dass wir es auch in Corona-Zeiten möglich machen konnten, Schüler*innen aus dem Landkreis Oder-Spreee zum Schulkino einzuladen. Gezeigt wurden zwei Filme, die erstmals im Rahmen eines FILM OHNE GRENZEN Workshops von einer Jugend-Jury aus Schülerinnen und Schülern der Maxim-Gorki-Schule Bad Saarow ausgewählt worden sind. Die Gewinnerfilme CHUSKIT der indischen Regisseurin Priya Ramasubarattan sowie der Dokumentarfilm UNSERE GROSSE KLEINE FARM von US-Filmemacher John Chester wurden von der Jury am Festivaldonnerstag präsentiert.
Workshops:
Erstmalig zeigte das Festival eine Auswahl von Filmen für Kinder und Jugendliche, kuratiert und präsentiert von einer Jugend-Jury.
Schüler und Schülerinnen der 10. Klasse der Maxim-Gorki-Schule Bad Saarow fanden sich eine Woche lang jeden Vormittag im Cinema Bad Saarow ein und sahen sich Filme für Kinder und Jugendliche aus fünf verschiedenen Ländern und drei Kontinenten an. Gemeinsam mit den Filmemachern und Projektleitern Anna Faroqhi und Haim Peretz sprachen und schrieben sie über die Filme. Sie dachten darüber nach, welche Filme im Schulkino-Programm beim diesjährigen FILM OHNE GRENZEN Festival zu sehen sein sollten. So schlüpften sie in die Rolle von Filmkritikern und Juroren.
Hauptaugenmerk der Gespräche lag auf der Wahrnehmung. Die Frage: “Was habe ich gesehen?” stand vor dem schnellen Urteil. Kamerakonzepte und Darstellerführung, Licht, Musik, Tempo und Erzählfiguren wurden betrachtet, um diese Frage fundiert zu beantworten. Die jungen Juroren waren gefordert, sich respektvoll und reflektiert mit Filmen auseinanderzusetzen, deren Bild- und Formensprache die Grenzen ihrer Sehgewohnheiten erweiterten. Das Sehen von Film, das Sprechen über Film sowie demokratische Diskussions- und Entscheidungsinstrumente wurden eingeübt. Die Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 17 Jahren stellten sich aber nicht nur Fragen zur Machart eines Filmes, sondern auch, welchen Bezug er zur Lebenswirklichkeit von Jugendlichen hier und heute in Deutschland und auch in Bad Saarow haben könnte und vor allem, wie er zum Festivalthema MUT passt.
Vor allem aber hatte die Gruppe von Schülern, welche coronabedingt auf Klassenreisen und Abschlussfeste verzichten musste, eine Gelegenheit des Zusammenseins.
EIN TRAUM VOM LEBEN
Wie im letzten Jahr stand inhaltlich das Thema Arbeit im Vordergrund dieses Film- und Begegnungsprojektes. In der Kleinstadt Storkow nähten im Frühjahr Menschen mit und ohne Migrationshintergrund etwa 3000 Masken für alle Bewohner: Masken für alle. Arbeitsort war das Friedensdorf Storkow, ein Begegnungs- und Bildungsort, der sich seit über 20 Jahren mit internationaler und antirassistischer Jugend-, Bildungs- und Kulturarbeit beschäftigt.
In diesem zweiten Workshop begleiteten die Projektleiter Anna Faroqhi und Haim Peretz den Prozess und erstellten einen kurzen beobachtenden Dokumentarfilm, der auf dem Festival Premiere feiert (Festival-Sonntag 13 Uhr).
Eine Lern- und Begegnungswoche im Friedensdorf beendete das Projekt. Anna Faroqhi: „Uns fiel auf, dass während der Corona-Krise der Deutsch-Unterricht für die Erwachsenen und Kinder völlig weggefallen war.“ Haim Peretz: „Das schien besonders problematisch für die beiden somalischen Familien, die erst seit Januar 2020 im Friedensdorf sind und kaum Anschluss in Storkow haben. Dem großartigen Engagement einiger StorkowerInnen ist es zu verdanken, dass dennoch ein wenig Stoff vermittelt werden konnte.“
Zusammensein wurde mit „Sprache erlernen“ verbunden. Vokabel-Memory, Vokabel-Heft, Wörter-Lernen, Abfragen, Text-Lesen und Nacherzählen, aber auch gemeinsames Filmschauen, Kochen und Baden im Großen Storkower See gehörten zum Programm der Begegnung.
DAS GEMEINSAME DRITTE
Erfahrungen aus den vergangenen Jahren zeigten, dass ein tolerantes Miteinander leider noch immer nicht überall eine Selbstverständlichkeit ist.
Auf Bitten von Teilnehmenden aus dem letzten Jahr geht die Arbeit aus den Jugendprojekten von FILM OHNE GRENZEN daher auf Tour.
In Kreativprojekten in Bad Saarow und im Landkreis werden Kurzfilme aus dem Jugendprogramm an Schulen und kulturellen Institutionen gezeigt. Sie sollen Anregungen zu kreativen Kurz-Projekten geben. Gemeinsames Sprechen und die künstlerisch-kreative Auseinandersetzung mit Themen wie Toleranz, Identität, Mut und Zukunftsperspektiven stehen im Mittelpunkt dieser Begegnungen. Möglicherweise entstehen neue Partnerschaften, etwa für künftige Jugend-Jurys oder Projektteilnehmer eines Filmworkshops. Vor allem aber sollen die Teilnehmenden zu einer offenen, vorurteilslosen Betrachtung ihrer Umwelt und zum Sprechen über ihre möglichen Sorgen ermutigt werden.
Der Austausch mit Jugendlichen und Pädagogen vor Ort wird gestärkt. Die Jugendprojekte des FILM OHNE GRENZEN Vereines werden so zur Basis und Gesprächsgrundlage für neue Ideen und Projekte.
Das Projekt hat im August 2020 begonnen und wird bis zum Ende des Jahres fortgesetzt.